Knie

KREUZBAND-OPERATION / KREUZBAND-PLASTIK

By 3. September 2021 No Comments

Die Kreuzbänder sind extrem elastisch und reißfest, doch bei großer Krafteinwirkung auf das Kniegelenk kann das vordere Kreuzband einreißen oder vollständig reißen. Nach einer Kreuzbandruptur schwillt das Knie an und Betroffene haben das Gefühl, das Knie weder beugen noch strecken zu können. Es besteht eine Unsicherheit beim Gehen sowie eine Instabilität, die nur mittels Operation aufgehoben werden kann.

Bei den meisten Kreuzbandriss-OPs wird ein Ersatz für das gerissene Kreuzband benötigt. Dafür eignen sich in erster Linie körpereigene Sehnen, wie die Quadrizepssehne, die Patellarsehne (Kniescheibensehne) oder die Semitendinosussehne mit/ohne Gracilissehne (Hamstring). Welche Sehne für eine vordere Kreuzbandplastik (VKB-Plastik) verwendet wird, hängt im Wesentlichen davon ab, welche Sportart der Patient ausübt, ob er ein überstreckbares Kniegelenk und/oder eine valgische Beinachse hat.

Sehnen-Transplantate für Kreuzband-Operationen

Die Quadrizepssehne, die knapp über dem oberen Rand der Kniescheibe liegt, kann im Rahmen einer Kreuzbandplastik als Weichteilsehne ohne oder mit Knochenblock entnommen werden. Sie zeigt überzeugende Resultate, ist stärker als die Hamstring-Sehne und verursacht verglichen mit der Patellarsehne wesentlich weniger Schmerzen beim Knien, da kein Druck auf die Narbe vorhanden ist. Es kann jedoch postoperativ zu einem Schwund des Quadrizepsmuskels kommen.

Für die Entnahme der sehr kurzen Patellarsehne ist lediglich ein Hautschnitt von etwa 4 bis 5 cm Länge direkt am unteren Rand der Kniescheibe erforderlich. Die Vorteile der Patellarsehne liegen in ihrer hohen Reißfestigkeit, der guten, gelenknahen Fixation von Knochen an Knochen sowie der schnelleren knöchernen Einheilung. Die Kniescheibensehne eignet sich für schnelle „High-impact“-Sportarten wie Fußball oder Basketball, weniger für Volleyballspieler. Der Nachteil der Patellarsehne ist ihre geringere Dehnbarkeit und Elastizität, was zu einem Streckdefizit führen kann. Menschen mit überwiegend kniender Berufsausübung wie Fliesenleger oder Gärtner sollten sich bei der Wahl des Sehnen-Transplantats für Hamstrings entscheiden.

Während die transplantierte Sehne in den ersten Wochen ziemlich reißfest ist, nimmt diese immer mehr und mehr ab und erreicht nach etwa 6 Monaten den schlechtesten Wert, nämlich dann, wenn die meisten Patienten wieder mit Sport beginnen (wollen). Eine MRT Untersuchung ca. 6 Monate nach der OP kann zeigen, in welchem Umbauprozess sich das Transplantat befindet. Auf alle Fälle ist eine vollständige muskuläre Rehabilitation Voraussetzung, wieder in den Sport zurückzukehren. Ein sogenannter „Return-to-sport“-Test kann aufzeigen, ob noch Defizite bestehen, die entsprechend behandelt werden müssen.

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